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 Dr. Erwin Achter - Dr. Maria Theresia Rieger, Zahnärzte Partnerschaft Tel +43 1/ 405 15 20 | Fax +43 1/ 405 15 08 | Email: 

 

 

 

Wissen

Myofunktionelle Störungen

 
Themen auf dieser Seite:
Myofunktionelle Störungen - Definition
Es geht in erster Linie um die Funktion der Zunge
Typisches Bild des beibehaltenen infantilen Schluckens
Die optimale Nahrungsaufnahme für das Baby erfolgt durch das Stillen
Welche Zahnfehlstellungen gibt es auf Grund myofunktioneller Probleme?


Myofunktionelle Störungen (myo = Muskel) betreffen hier im engeren Sinn die Tätigkeit von Muskeln des Mund- und Gesichtsbereichs, insbesondere der Zunge und der Lippen und damit verbunden besonders den Schluckvorgang.

Sammlung von Begriffen, die unter "Myofunktionelle Störungen" fallen:

  • Zungenpressen
  • Zungenstoßen
  • tongue thrust
  • tongue thrust swallow
  • infantile swallow
  • falsches, infantiles Schlucken
  • falsche Zungen- und Lippengewohnheiten
  • Zungenhabit
  • Lippenhabit

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Es geht in erster Linie um die Funktion der Zunge

Im Säuglingsalter wird die Zunge zwischen die zahnlosen Kiefer nach vorne geschoben, um die Milch anzusaugen.

Das Schlucken wird ausgelöst durch ein sensorisches Wechselspiel zwischen Lippen und Zunge, wobei die Peristaltik schon im Mundvorhof beginnt.

Die Zunge liegt tief und zeigt eine Längsfurche. (Abb. 1a,1b)

Abb. 1a: Die Zunge liegt zwischen Ober- und Unterkiefer, um die Brust zu melken Abb. 1b: Querschnitt. Man sieht die Längsrille der Zunge, zur Aufnahme der Brustwarze
Abb. 1a: Die Zunge liegt zwischen Ober- und Unterkiefer, um die Brust zu melken (siehe auch Abb.4b) Abb. 1b: Querschnitt. Man sieht die Längsrille der Zunge, zur Aufnahme der Brustwarze

Dieses primäre (infantile) nach vorne auf das Saugen an der Brust der Mutter ausgerichtete Funktionieren der Zunge wird umgestellt auf ein Bewegungsmuster, das mehr gegen den Gaumen gerichtet ist. (Abb. 1b ,1c)

Abb. 1c: Zunge liegt dem Gaumen an Abb. 1d: Querschnitt.. Zunge liegt dem Gaumen an
Abb. 1c: Zunge liegt dem Gaumen an Abb. 1d: Querschnitt.. Zunge liegt dem Gaumen an

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Dabei sind die Lippen locker geschlossen. Die Kaumuskeln schließen die Zahnreihen. Der Zungenmittelteil wird hoch an den harten Gaumen gesaugt und der hintere Teil der Zunge gegen den weichen Gaumen gedrückt, um den Nasenrachenraum abzuschließen. Damit wird der Schluckreflex ausgelöst. Der Kinnmuskel bleibt entspannt. (Abb. 2a, 2b, 2c)

Abb. 2a: Der Seisebrei wird von der Zunge befördert Abb. 2b: Der Seisebrei wird von der Zunge befördert
Abb. 2a: Der Speisebrei wird von der Zunge befördert Abb. 2b: Der Speisebrei wird von der Zunge befördert

Abb. 2c: Der Seisebrei wird von der Zunge befördert
Abb. 2c: Der Speisebrei wird von der Zunge befördert

 

Schafft es die Zunge nicht, beim Beginn des Schluckaktes sich gegen den harten Gaumen zu saugen, müssen benachbarte Muskeln (Lippen, Wangen) zu Hilfe kommen,um das Schlucken zu ermöglichen.

 


Typisches Bild des beibehaltenen infantilen Schluckens

    Abb. 3: Die Zunge liegt vorne zwischen den Zahnreihen
    Abb. 3: Die Zunge liegt vorne zwischen den Zahnreihen
  • Der Mund ist offen

  • Die Zunge liegt vorne zwischen den Zahnreihen (Abb. 3)

  • Die Zähne sind zur Einleitung des Schluckens nicht zusammengebissen.
Folge
  • Durch die ständige Einlagerung der Zunge frontal offener bis zirkulärer offener Biss.

  • Die Zahnreihen stützen sich dabei nur auf den Mahlzähnen ab.

  • Die Zunge verlagert Zähne, wirkt also wie ein falsches kieferorthopädisches Gerät.

Wie kann man das erklären?

  • Man schluckt in 24 Stunden bis zu 3000-mal. Die Zunge übt dabei jeweils eine Kraft von 1-2 kp aus.

  • Das ergibt 3 – 6 Tonnen ungünstige Krafteinwirkung täglich auf das Zahnsystem.

  • So ist auch zu verstehen, dass die Zunge den Erfolg einer kieferorthopädischen Therapie be– und sogar verhindern kann

Bei der myofunktionellen Therapie geht es darum hauptsächlich um die Zunge.

  • Nun gilt noch allemal der Satz: Vorbeugen ist BESSER als Heilen!

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Die optimale Nahrungsaufnahme für das Baby erfolgt durch das Stillen.

Für die Entwicklung des Kiefers ist das Stillen entscheidend.

  • Die Zungen-, Lippen- und Gesichtsmuskulatur wird trainiert, was später für das richtige Sprechen wichtig ist

  • Die Entwicklung von Gaumen, Gebiss und Gesicht wird positiv beeinflusst.

  • Die richtige Zungenruhelage wird gefördert, und damit wird das richtige Schlucken
    angebahnt.

Natürlich sind gestillte Kinder nicht gefeit, eine Schluckstörung zu entwickeln. Die Mütter sollten jedenfalls nicht auf die vorbeugende Maßnahme des Stillens verzichten. Bei Schwierigkeiten können Hebammen, Stillgruppen, die La Leche Liga und viele andere helfen.

Lesen Sie dazu auch:

Wissen - Kieferentwicklung und Stillen

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Sechs Monate sollte mindestens gestillt werden. Nach sechs Monaten sollte die Nahrungsaufnahme mit Löffel und Tasse (keine Schnabelhäferl) erfolgen.

Kann nicht gestillt werden, darf das Loch im Schnuller nur so groß sein, dass die Flüssigkeit im Sekundentakt tropft. (Abb. 5)

Abb. 5a: Lippenschild mit großem Durchmesser Abb. 5b: Lippenschild mit kleinem Durchmesser
Abb. 5a: Lippenschild mit großem Durchmesser Abb. 5b: Lippenschild mit kleinem Durchmesser

Ab dem 6. Monat feste Nahrung mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen - nicht nur Süßes anbieten.

Wenn Ihr Kind eine Tendenz zum Daumenlutschen zeigt, soll ihm ein Schnuller angewöhnt werden.

Die Zunge wird sonst durch den Gaumen nach unten auf den Mundboden gedrängt und das Kind gewöhnt sich das Schlucken in dieser Position an. Außerdem entsteht der lutschoffene Biss (Abb. 6).

Statistisch gesehen brauchen ca 70 % der Kinder "irgend was", um ihr natürliches Saugbedürfnis zu befriedigen. Daumen, Finger etc. sind hier "gefährlich", weil sehr schwer abzugewöhnen.

Der Schnuller sollte nach 2 - 3 Jahren abgewöhnt werden. Man kann beispielsweise auf einer schönen Wiese ein Loch graben und ihn einsetzen und gießen und auf den Schnullerbaum warten.

Von Kieferorthopäde Dr. Pick (www.pickmed.com) wurde ein spezieller Schnuller zur Vermeidung von Kiefer- und Zahnfehlstellungen entwickelt (Abb. 5c):

Picikmed-Schnuller
Abb. 5c: Schnuller nach Dr. Pick

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Welche Zahnfehlstellungen gibt es auf Grund myofunktioneller Probleme?

Abb. 6: Lutschoffener Biss
Abb. 6: Lutschoffener Biss

Wie schon erwähnt, kann die Einlagerung der Zunge den "Offenen Biss" verursachen (Abb. 6).
Natürlich hat die gestörte Zungenfunktion auch Auswirkungen auf die Lautbildung.

  • Die Hälfte aller Kinder mit falschem Schlucken hat auch Artikulationsstörungen..

  • Besonders die "S" und "Sch"-Lautbildung ist neben anderen gestört.

Und weil wir schon einmal dabei sind, können wir auch feststellen:

  • Die gesamte Haltung ist ungünstig.

  • Der Nacken ist nicht gestreckt, der Kopf liegt im Nacken.

  • Der Rücken ist im Sitzen rund.

  • Die Körperhaltung wirkt schlapp, die Gesichtsmuskeln scheinen schlaff.

  • Der Mund ist meist offen, statt Nasenatmung liegt Mundatmung vor.

Ein Lippenhabit (Lippenbeißen), also eine schlechte Gewohnheit der Lippe, wo die Oberkieferzähne auf der Unterlippe liegen, kann zu einer sehr großen Stufe - manchmal mehr als 10 mm führen.

Bei einem Sturz aufs Gesicht schlägt man dann meist auf die vorderen zwei Oberkieferzähne auf, mit unterschiedlich schweren Verletzungen - von Zahnbruch bis Zahnverlust durch Ausschlagen.

Abb. 7a: Beispiel einer Fehlstellungen bei Rücklage des Unterkiefers Abb. 7a: Beispiel einer Fehlstellungen bei Rücklage des Unterkiefers
Abb. 7a: Beispiel einer Fehlstellungen bei Rücklage des Unterkiefers
Abb. 7b: Drückt die Unterlippe auf die Oberkieferfront, kann es zu einer Fehlstellung führen Abb. 7b: Drückt die Unterlippe auf die Oberkieferfront, kann es zu einer Fehlstellung führen
Abb. 7b: Drückt die Unterlippe auf die Oberkieferfront, kann es zu einer Fehlstellung führen

 

Dies sind nur einige charakteristische Beispiele, die uns zeigen wie sich falsche Muskelfunktionen auf die Anatomie auswirken können (Abb.7a, 7b).

 

 

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