Wissen
Aufklärung über Risken und Probleme
bei einer kieferorthopädischen Behandlung
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Jede kieferorthopädische
Behandlung stellt einen mehr oder minder großen
Eingriff in den Organismus dar. Die Reaktionen darauf
sind höchst unterschiedlich und individuell.
Sicherlich ist vor einer Behandlung der Nutzen gegen
mögliche Nachteile, Risken und Probleme abzuwägen.
Daher ist es sehr
wichtig, dass ein Patient oder die für ihn
Verantwortlichen die Motive, den Anlass oder den
Leidensdruck für eine kieferorthopädische
Behandlung der Ärztin, dem Arzt vollständig
mitteilen, damit sie/er sich ein umfassendes Bild
machen kann, welche Vorteile sich für den Patienten
aus der geplanten Behandlung ergeben werden.
Das fachliche Wissen
befähigt die Ärztin, den Arzt, die Vor-
und Nachteile abzuwägen und dem Patienten für
die optimale Entscheidung beratend zur Seite zu
stehen.
Welche Risken, Probleme
und wahrscheinliche Nebenwirkungen können
im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung
eintreten?

Schmerzen
Es können unerwartet
starke Schmerzen am Anfang einer kieferorthopädischen
Behandlung auftreten. Diese lassen in der Regel
nach 3 - 4 Tagen nach. Auch ist anfangs meist
eine Reizung der Mundschleimhäute zu beobachten.
Im Allgemeinen weiß
die Ärztin, der Arzt dagegen Abhilfe. Erträgliche,
leichtere Beschwerden beim Nachaktivieren der
Geräte
und eine deutlich erhöhte Empfindlichkeit
beim Beißen gehören zu den unvermeidlichen
Begleitumständen einer kieferorthopädischen
Behandlung. Kiefergelenks- und Kaumuskelbeschwerden
können während einer Behandlung (meist
jedoch ohne ursächlichen Zusammenhang)
verstärkt
auftreten, bestanden aber in den allermeisten Fällen
bereits vorher.
Behinderungen
Anfangs ist das Kauen
und Beißen schmerzhaft - weichere Kost für
die ersten Tage schafft da Abhilfe.
Je nach Gerätetyp
ist das Essen natürlich nicht der gleiche
Genuss, wie ohne Gerät - es bleiben Speisereste
hängen. Nur peinlich genaue Reinigung nach
jedem Essen schafft weiterhin das angenehme Gefühl
des sauberen Mundes.
Das Sprechen kann
behindert sein, bei sportlichen Aktivitäten
sollte ein Sportschutz getragen werden, um eine
Verletzung der Mundschleimhäute vorzubeugen.
Abnehmbare Geräte sollten während der
Ausübung des Sportes nicht im Mund getragen
werden.

Zahnbeschädigungen
Es kann zu einer Schwächung
und Verkürzung der Zahnwurzel, des Zahnknochenfaches
und des Zahnhaltegewebes kommen, was sich auf die
Dauerhaftigkeit des Gebisses im Laufe späterer
Jahre auswirken könnte.
Extrem selten könnte
der Nerv eines (vorgeschädigten) Zahnes absterben.
Auch könnte eine ehemalige Wurzelspitzenentzündung
eines wurzelbehandelten Zahnes wieder aufflammen.
Bei Abnahme der festsitzenden
Apparatur kann es vereinzelt zu oberflächlichen
Zahnschäden kommen.
Eine vorübergehende
Lockerung der Zähne wird bei vielen Zahnregulierungen
beobachtet.
Karies
Die Zähne sind
während einer kieferorthopädischen Behandlung
wegen der Putzbehinderung vermehrt für Karies
anfällig.
Mit großer Wahrscheinlichkeit
lassen sich solche Zahnschäden durch gewissenhafte
Zahnpflege und die Befolgung der ärztlichen
Anweisungen vermeiden.

Gefahren und Probleme
Unfallgefahren sind
denkbar, wenn unglückliche Umstände
zusammentreffen. Es kann einmal zum Bruch von
Geräten oder zum
Verschlucken von Geräten oder Geräteteilen
kommen.
Ein unerwartetes Wachstum
des Gesichtsschädels und außergewöhnliche
Umbauvorgänge in den Zahnhaltegeweben wären
ebenfalls denkbar, sodass sich die Zähne nicht
in der erwarteten Weise bewegen lassen.
Ungünstige Gewohnheiten
wie Daumenlutschen, Zungenpressen und ein gestörtes
Schluckmuster können sich störend auf
die Behandlung auswirken, sodass sich das Behandlungsziel
ohne zusätzliche begleitende Maßnahmen
nur sehr schwer oder gar nicht erreichen lässt.
Rückfall
Nach einer erfolgreichen
Behandlung kann es zu unerwartet starken Rückfällen
kommen - geringfügige Rückfälle
sind hingegen die Regel. Ebenfalls müssen
ein Patient oder die für ihn Verantwortlichen
wissen, dass sich ein Gebiss , ja auch die Form
der einzelnen Zähne im Laufe der Jahre
verändern und
nicht wie auf einem Foto oder einem künstlichen
Zahnersatz unverändert bleiben.
Veränderungen
der Gebissform insbesondere im Unterkiefer- und
Oberkiefer-Schneidezahnbereich treten bei den
meisten Menschen naturgegeben und alterungsbedingt
auf - ganz unabhängig von einer kieferorthopädischen
Behandlung.
Wenn ein Patient die
am Ende einer erfolgreichen Zahn- und Kieferregulierung
erreichte Zahnstellung auf Dauer mit großer
Genauigkeit zu bewahren wünscht, so gilt heute
eine Dauerschienung als unerlässlich. Dafür
gibt es abnehmbare, meist für die Nacht gedachte
Schienen oder festgeklebte „Retainer".
Deren Nachteile beginnen mit den Risken, die wie
für alle anderen kieferorthopädischen
Geräte schon aufgezählt wurden, und enden
mit ihrer begrenzten Haltbarkeit und wodurch weitere
Kosten für die möglicherweise erwünschte
Erneuerung anfallen.

Behandlungsverlauf
Manche Patienten wünschen
sich auch noch Details und Nuancen für das
Aussehen ihres Gebisses, die im Zehntel-Millimeterbereich
liegen. Extreme Anforderungen führen nicht
nur zu unverhältnismäßig hohen Kosten,
sondern widersprechen meist der Individualität
der natürlichen Zähne. Daher ist es wichtig
schon zu Beginn ihre persönliche Zielvorstellung
mit der Ärztin, dem Arzt zu besprechen.
Der Zeitbedarf
während einer kieferorthopädischen Behandlung
sowohl für die Behandlungstermine als auch
für die Mitarbeit zu Hause sollte von den Patienten
nicht unterschätzt werden. Durch kleinere Probleme
oder Missgeschicke seitens der Patienten mit ihren
Behandlungsgeräten, verbogene Drähte,
lockergewordene Regulierungsteile etc., können
zusätzliche Behandlungstermine notwendig werden,
für die sich die Patienten auch Zeit nehmen
müssen.
Normalerweise
werden die Behandlungstermine langfristig eingeteilt
- meistens ein Termin pro Monat - und sollten auf
alle Fälle eingehalten werden.
Nun sind Sie,
vielleicht etwas verunsichert, am Ende einer
langen Liste von möglichen Risken und Problemen
angelangt. Zum Trost sei aber angemerkt: Millionen
von Patienten haben eine Zahnregulierung gut überstanden
und waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Mit dem Fortschritt
in den medizinischen Wissenschaften gehen auch die
Zunahme der ärztlichen Erfahrung und der Sicherheit
für die Patienten Hand in Hand. |